Ein Blick in die jüngere Geschichte:
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Der jüngeren Geschichte Udenbreths (und der anderen Eifeldörfer an der belgischen Grenze) kann man sich angesichts der Panzersperren des ehemaligen “Westwalls” kaum entziehen. Nur wenige hundert Meter entfernt vom Breuer-Hof liegen die Betonhöcker noch immer im Wald; inzwischen etwas überwuchert und bemoost - aber immer noch eindrucksvoll (und denkmalgeschützt). Das historische Foto unten zeigt die Panzersperren des damals soeben fertig gestellten Westwalls.

Weitere Zeugnisse der Vergangenheit sind die Überreste der Bunkeranlagen, die nach dem Krieg von den Amerikanern gesprengt wurden. Heute sind die Bunker zu einem großen Teil aber abgeräumt worden, da sie gefährliche “Spielplätze” darstellten.

Heute nicht mehr zu sehen sind die weiteren Folgen des II. Weltkrieges in der Region. Wer aufmerksam durch Udenbreth und die benachbarten Dörfer geht, wird bei diesem Spaziergang vielleicht feststellen, daß es wenige historische Gebäude gibt. Auch die Kirchen sind weitgehend Neubauten der Nachkriegszeit. Durch die Nähe zur belgischen Grenze, errichtete das Nazi-Regime gerade hier die Verteidigungsanlagen, mit denen man das deutsche Reich gegen Angriffe aus dem Westen schützen wollte, den sogenannten Westwall, der militärisch allerdings in der Folge kaum ein Hindernis für den Vormarsch der Allierten darstellte. Den Eifeldörfern “bescherte” der Westwall allerdings eine Lage direkt an der Front, was zur weitgehenden Zerstörung des Dörfchens Udenbreth und anderer Dörfer der heutigen Gemeinde Hellenthal führte.

Die Fotos dokumentieren eindruckvoll das Ausmaß der Zerstörung:

Seit dem Einmarsch der deutschen Truppen in Belgien am 10. Mai 1940 dröhnten die britischen Bomber auch über Udenbreth. Dennoch blieb es hier zunächst ruhig. Erst mit der Landung der Allierten in der Normandie im Juni 1944 stieg die Besorgnis über die Kriegsentwicklung. In den ersten Septemberwochen schlugen Granaten in den Höhendörfern ein. Ihre Bewohner flüchteten in die Wälder, in der Hoffnung, die Front würde sie bald überrollen. Zwischen Mitte September und Oktober wurden die Dörfer offiziell evakuiert. Im Morgengrauen des 16. Dezember 1944 versuchten die deutschen Truppen mit der sog. Ardennen-Offensive oder Rundstedt-Offensive die allierten Truppen zurückzudrängen. In dieser Zeit kehrten einige Udenbrether zurück, um nach ihren Höfen und Häusern zu sehen, mußten aber bald wieder vor dem Artilleriebeschuß und der näher rückenden Frontlinie fliehen. Am 2. Februar 1945 überschritten die Amerikaner den Westwall und nahmen zunächst Udenbreth ein. Am 7. März war für viele Udenbrether mit der Einnahme des ganzen Landkreises Schleiden der Krieg (endlich) zu Ende.

Auszüge aus einem Bericht des damals 16jährigen Hubert Jenniges geben einen Eindruck von den schlimmen Folgen des Krieges:

Die große Mehrzahl der Bewohner verließ Udenbreth an diesem Tage (13. September 1944) und flüchtete in die nahen Wälder. In der “Steinbach” schlugen sie ihr Lager auf. Andere bepackten ihr Fuhrwerk und zogen in die Dörfer im Kreis Schleiden, die nicht in Frontnähe lagen. ... Ein paar Famiien bzw. Einzelpersonen sind aber zunächst in Udenbreth geblieben ... Sie haben, als der Artillerie - Beschuss unerträglich wurde, nach und nach den Ort verlassen. Auch diejenigen Bewohner, die zunächst in die Wälder geflohen waren, verließen nach und nach die Heimat. ...

In der Zeit der Rundstedt-Offensive sind einige Udenbrether, darunter auch ich, für wenige Tage in den Ort zurückgekehrt. ... . Zu diesem Zeitpunkt waren schon viele Häuser beschädigt, die größten Schäden sind dennoch erst nach der Rundstedt - Offensive entstanden. ...

Am 6. März eroberten die Amerikaner Schönau. Ungefähr 8 Tage danach bin ich nach Udenbreth zurückgekehrt. Der Anblick des Ortes war erschütternd. Die Häuser waren samt und sonders schwer beschädigt, die meisten ausgebrannt. Im Grunde war kein Haus mehr bewohnbar. ... Zerstörte Panzer und Artilleriegeschütze standen an den Wegrändern. Die Felder waren z.T. vermint. Verwüstung und Durcheinander überall.”

In Udenbreth waren von den damals 112 Häusern vier leicht beschädigt, 38 dagegen schwer und 70 total zerstört. Die Kirche war ebenfalls zerstört, es gab kein Wasser, keinen Strom. Granat- und Bombeneinschläge hatten die Verkehrswege getroffen. Überall lag Kriegsgerät und Munition herum, die Wohnhäuser waren geplündert. Das Leben im Dorf begann unter primitivsten Bedingungen.

Nur nach und nach “normalisierte” sich das Leben in den Dörfern, Schulunterricht wurde in Baracken, Wirtschaften und Privathäusern erteilt, Gemeinderäte und Ortsbürgermeister von der Militärverwaltung ernannt. Sie beschäftigten sich u.a. mit der Wiederherstellung der Verkehrswege und der Enttrümmerung der Gebäude und Maßnahmen gegen die Wohnungsnot.

Den Gottesdienst besuchten die Udenbrether zunächst in Rescheid, später wurde in einem Ladenlokal und im Gemeindehaus die Messe “gelesen”, bevor am 23. August 1948 der Kirchbau begonnen wurde.

In der ersten Zeit war alles Mangelware, angefangen von Lebensmitteln. Wer Glück hatte, besaß Waren, die er tauschen konnte. Kaffee und Zigaretten wurden zur Leitwährung auf dem Schwarzmarkt.

Die Wälder um Udenbreth könnten von riskanten Schmuggeltouren berichten. Geschmuggelt wurde alles, was auf der deutschen oder belgischen Seite der Grenze gebraucht wurde, bis hin zu Kühen, Motorrädern und PKW.

Am 16.10.1952 öffnete die neue Schule in Udenbreth ihre Pforten.

Das Vereinsleben in den Dörfern kam wieder in Gang; Musik- und Gesangvereine, Sportvereine und Ortsgruppen des Eifelvereins wurden wiederbelebt oder gegründet. Der Gesangverein “Cäcilia” von 1908 betreibt bis heute für die örtlichen Veranstaltungen in Udenbreth ein Vereinshaus. Udenbreth galt damals als besonders “vereinsfreudig”, es gab neben eienm Obst- und Gartenbauverein sogar einen Bienenzuchtverein. In allen Dörfern erwachte die Lust an Tanz und Unterhaltung, man feierte wieder die alten Feste, Kirmes und Karneval.

1951 wurde die Udenbrether Kirche geweiht, am 12. August 1951. Dem gingen lange Diskussionen um den geeigneten Standort voraus. Schließlich entstand die neue Kirche am Ort der Alten. Erbaut wurde sie in Eigenleistung der Dorfbewohner. Schon zwei Jahre vor ihrer Weihe wurde sie genutzt.

Bald sollte auch der Fremdenverkehr aufblühen. In Udenbreth hatte man aus dem ehemaligen Bürgermeisteramt ein Schullandheim gemacht. Privatleute boten den Gästen Verpflegung an.

Am 10. Dezember 1950 traf der erste Sonderzug mit Wintersportlern in Hellenthal ein. Postomnibusse beförderten die Gäste in Richtung Udenbreth. Ein Jahr später kamen schon 12.000 Sportler in die Region. Das Foto zeigt die Langläufer in Udenbreth 1952, gestartet vom Udenbrether Pfarrer Purschke.

Trotzdem blieb die Region von der Landwirtschaft geprägt, von der die meisten Bewohner damals lebten.

Da es kaum Maschinen gab, wurden auch viele Hände gebraucht. Die Fotos zeigen (Opa) Viktor Breuer im Jahre 1952 mit einem Ochsengespann.

Mag es auch noch so romantisch wirken - “Gott sei Dank” ist diese Zeit auch auf den Höhen der Eifel inzwischen vorbei.

Die Informationen, Texte und Fotos dieser Seite entnahmen wir dem empfehlenswerten Band von Walter Hanf: “Das Hellenthaler Land 1945 - 1955, Berichte - Bilder - Dokumente, Hellenthal - Hollerath 2001.

Im Selbstverlag mit dem Heimatverein Rescheid e.V. ist das Buch erschienen:
Walter Hanf, Luxemburger Str. 19, 53940 Hellenthal-Hollerath

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